Pressemitteilung vom 29. April 2026
Frauenanteil bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr meist nicht höher als ein Drittel – Zugangsvoraussetzungen und Geschlechterstereotype sind große Hürden – Berufsfeld muss für Frauen attraktiver werden, um Gleichstellung zu verbessern und Arbeitskräftemangel zu begegnen
Frauen sind in den sogenannten Erstretterberufen – also bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr – weiter deutlich unterrepräsentiert. Im Rettungsdienst lag der Frauenanteil zuletzt bei rund 34 Prozent, bei der Bundespolizei bei etwa 28 Prozent und bei der Landespolizei im Durchschnitt bei 35 Prozent. In der Berufsfeuerwehr fällt er mit rund drei Prozent noch deutlich niedriger aus. „Der Frauenanteil in den Erstretterberufen ist weiterhin sehr niedrig – das deutet darauf hin, dass die bestehenden Strukturen in den Erstretterberufen offenbar noch nicht ausreichend auf eine Teilhabe von Frauen ausgelegt sind“, sagt Anna Bindler, Leiterin der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Gemeinsam mit Katharina Wrohlich und Felix Böttger hat sie unter anderem Daten des Deutschen Feuerwehrverbandes und der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.
Bei der Feuerwehr klafft eine große Lücke zwischen der Repräsentanz von Frauen im Nachwuchsbereich und im Erwachsenenalter: Während der Frauenanteil in der Berufsfeuerwehr (rund drei Prozent) und in der Freiwilligen Feuerwehr (rund elf Prozent) auch im Vergleich zu anderen Erstretterberufen sehr niedrig ist, liegt er in der Jugendfeuerwehr bei immerhin gut 30 Prozent. Diese Unterschiede rücken rund um den bevorstehenden Internationalen Tag der Feuerwehr am 4. Mai verstärkt in den Fokus. „Dass deutlich mehr Mädchen in der Jugendfeuerwehr aktiv sind als später Frauen in der Berufsfeuerwehr, deutet darauf hin, dass es große spezifische Hürden gibt“, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin.
Auf der Suche nach möglichen Gründen haben die Studienautor*innen unter anderem berufsbezogene Belastungen analysiert. Diese sind bei der Feuerwehr zwar hoch – allerdings im Vergleich zur Polizei und insbesondere zum Rettungsdienst, wo deutlich mehr Frauen arbeiten, nicht viel höher. Eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigt zudem, dass die Wahrscheinlichkeit, bei der Berufsausübung Opfer einer Straftat zu werden, bei Polizei und sonstigen Rettungskräften deutlich höher ist als bei der Feuerwehr.
Die insgesamt geringe Beteiligung von Frauen in Erstretterberufen lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Neben geschlechterstereotypen Zuschreibungen („typische Männerberufe“) sind es vor allem strukturelle Zugangsvoraussetzungen, die den Einstieg erschweren. Dazu zählen unter anderem Eignungstests, die teils nicht nach Geschlecht unterscheiden, oder Vorgaben, was Ausbildung und Studium betrifft. Voraussetzung für einen Einstieg bei der Berufsfeuerwehr sind etwa je nach konkretem Job eine handwerklich-technische Ausbildung oder ein naturwissenschaftlich-technisches Studium. Schon dort sind die Frauenanteile aber sehr gering. „Es kommen nach den derzeitigen Regelungen also deutlich weniger Frauen als Männer überhaupt für den Feuerwehrberuf in Frage“, so Bindler. Auch die Ausrüstung, die für Frauen oft wenig komfortabel ist und teils sogar das Verletzungsrisiko erhöhen kann, ist ein Faktor.
„Der niedrige Frauenanteil birgt ein ungenutztes Potenzial bei der Bewältigung des Arbeits- und Fachkräftemangels in Erstretterberufen“ Katharina Wrohlich
Die geringe Beteiligung von Frauen ist nicht nur gleichstellungspolitisch relevant, sondern auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt. „Der niedrige Frauenanteil birgt ein ungenutztes Potenzial bei der Bewältigung des Arbeits- und Fachkräftemangels in Erstretterberufen“, so Wrohlich. Um die Potenziale besser zu nutzen, sollten institutionelle Hürden nach Ansicht der Studienautor*innen überprüft und, sofern mit den Anforderungen des Berufs vereinbar, angepasst werden, etwa bei Zugangsvoraussetzungen oder Ausbildungswegen. Gleichzeitig komme es darauf an, geschlechterstereotype Zuschreibungen gezielt abzubauen und das Berufsfeld sichtbarer zu machen. Neben Initiativen wie dem Girls‘ Day könnten dabei auch gezielte Informationskampagnen helfen.
Themen: Arbeit und Beschäftigung , Gender